Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn bei Aristoteles

Wir befinden uns in der „Antike“, in der Zeit, in der Griechenland sowohl in der Kunst, als auch in der Wissenschaft und für die Politik Weichen gestellt hat. Die griechischen Stadtstaaten sind auf dem Höhepunkt ihrer Geschichte. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung einer Vorstellung von Gesellschaftsstruktur in der sogenannten zivilisierten Welt. Die Ethik als Wissenschaft vom moralischen Handeln untersucht und lehrt die Paradigmen, die zu einem großen Teil bis heute als Maßstab für Moral Gültigkeit haben. Deshalb können wir auch die Konflikte der Protagonisten in den klassischen griechischen Dramen immer noch verstehen und nachvollziehen.

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Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten.

Die fiktive Begegnung zweier Gelehrter unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche, die sich aneinander reiben und gleichzeitig im Roman als Persönlichkeit sichtbar werden, ist ein Erzählkonstrukt, das mir schon bei Yaloms „Und Nietzsche weinte“ und bei Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ sehr gut gefallen hat. Natürlich, ein Roman ist ein Roman, aber es kann auch ein Genuss sein, gewisse faktische Zusammenhänge oder theoretische Konstrukte im Licht einer Geschichte noch mal anders zu denken.

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Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn: Platon

Videoclip zum Buch „Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn“

Kann man Platons berühmtesten Text, das Höhlengleichnis aus der Politeia, in einem Satz zusammenfassen?

Bei Platon hat der Philosoph eine geradezu messianische Aufgabe: Da wir in einer Scheinwirklichkeit verharren, ohne hinter die Kulissen blicken zu können, soll der Philosoph ausziehen, die Wahrheit zu suchen, um sie dann zu Menschen zu bringen, die sie eigentlich nicht hören wollen.

Das Höhlengleichnis in ein Gegenwartsbild übersetzt stelle ich mir vor als Bild einer großen Stadt in einem Talkessel, die unter ihrem Smog versunken keinen Blick auf einen freien Himmel erlaubt. Die Menschen sind ganz der Jagd nach Konsumgütern hingegeben, ihr Leben fristen sie unter dem ständigen Druck zu produzieren und zu konsumieren …

Frankfurter Buchmesse 2017: Interview mit Robert Menasse – Schreiben gegen den Nationalismus in Europa

Ein Highlight der Frankfurter Buchmesse 2017 war das Interview mit Robert Menasse, einem Autor, dessen Antworten immer sehr wohlüberlegt sind, auch wenn er spontan Scherze macht über eine schwierige Frage. Mit seinem Roman „Die Hauptstadt“ entwirft Menasse einen Entwurf für Europa gegen den erstarkenden Nationalismus. Seine Anleihen bei Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ zeigen die Wiederholungen in der Geschichte, die als solche entlarvt werden könnten, denn Politik ist schließlich immer etwas Menschengemachtes und Menschenerfahrenes, das in unserem kollektiven Gedächtnis eingeschrieben sein sollte. „Frankfurter Buchmesse 2017: Interview mit Robert Menasse – Schreiben gegen den Nationalismus in Europa“ weiterlesen

Birgit Müller-Wieland: Flugschnee, Longlist Buchpreis 2017

„Du bist verschwunden, Simon.“ (S.7) Das ist der Aufhänger, an dem entlang eine Geschichte über vier Generationen aufgedröselt wird und der den Spannungsbogen über 340 Seiten halten soll. Lucy, Simons Schwester kommt die Rolle zu, im Archiv des Unausgesprochenen zu graben. Der Verweis auf ein altes, familiäres Trauma weckt die Erwartung einer großen Aufklärung am Ende der Geschichte, die aber so nicht erfüllt wird. Ob es Absicht ist, den Leser am Ende mit seiner Erwartung im „Flugschnee“ stehen zu lassen – bei den Rezensenten hat dies jedenfalls für einige Irritation gesorgt.

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Dagmar Eger-Offel: Kohlhaas und der Sinn des Lebens

Es ist da, mein neuestes Werk aus der Schreibstube! Alle paar Jahre entsteht der Wunsch, aus den Skripten zu meinen Philosophiekursen auch mal was Gedrucktes in der Hand zu halten. Diesmal musste es jetzt gleich die ganz große Frage sein, nach Douglas Admas die „Ultimative Frage des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest.“ Vielleicht ist es eine Art Selbstvergewisserung, was die Philosophie betrifft. Für mich steckte hinter der Fragestellung nach Sinn und Absurdität auch die Frage: Welchen Sinn hat es, zu philosophieren?

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Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen

Die Reise führt durch mehrere Etagen einer in Genf sitzenden internationalen gemeinnützigen Organisation, durch verschiedene Länder und viele Betten. Ein lebensmüder PR- Misanthrop arbeitet an der Biographie des Gründers dieser Vereinigung und lässt vermuten, dass es in der ganzen Auslegung der Geschichte um einen einzigen PR-Fake geht. Und auf diese Art ist es auch erträglich, die ganzen Frauengeschichten als einen großen Selbstbetrug mit misogynen Abstandshaltern einzuordnen, ohne die der Lebensmüde lieber heute als Morgen aus dem Leben scheiden würde.

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Mirko Bonné: Lichter als der Tag

Wieder steht er auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Mirko Bonné, ein Schriftsteller, der sein Handwerk sehr gut beherrscht, der es versteht, eine Atmosphäre zu kreieren, die einen Sog entwickelt in das Innenleben des Hauptprotagonisten hinein, in seine Verzweiflungen und Widersprüchlichkeiten. Es sind immer tragische Figuren, die vom Leben in eine Tiefe gerissen wurden, aus der heraus sie einen anderen Blick für die Nuancen von Dunkelheit und Helligkeit entwickeln. Und das ist der einmalige Lesegenuss an den Romanen Bonnés, dieses besondere Gefühl eines vom Leben Mitgenommenen, der nicht nur die Schattenseiten, sondern auch die leuchtenden Momente besonders intensiv beschreiben kann, immer begleitet von einem ganz speziellen Glück der Melancholie.

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Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen

Ex-Alphamännchen im Rentenalter knallt mit voller Kraft voraus gegen eine Schwimmbeckenwand im Konkurrenzschwimmkampf mit einer jungen Frau. Zu Hause in seinem Badezimmer bleibt er auf den Fliesen einfach liegen und versucht, sein Selbstbild, seine Lebensgeschichte, seine Beziehungskisten zu retten. Natürlich muss sich Julia Wolf hier einer Menge von Stereotypen bedienen, um dieses völlig überlebte Männerleben zu skizzieren und ja es ist enervierend, wenn die Typologie so wenig kreativ ist. Trotzdem.

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