Juli Zeh: Neujahr

Ein Dejá-vu. Nicht so komplex, nicht so vielschichtig wie viele andere Juli-Zeh-Romane, dafür sehr emotional, sehr intim und direkt ins Herz greifend. Henning und Theresa verbringen ihren Winterurlaub mit den beiden Kindern auf Lanzarote. Seit zwei Jahren leidet Henning unter Panik-Attacken, und kann nicht erklären, was der Grund dafür ist. Ein diffuses Übeforderungsgefühl lässt ihn vermuten, dass er seiner Lebenssituation im Gesamten nicht mehr gewachsen ist. Weiterlesen „Juli Zeh: Neujahr“

Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen

Auf Sizilien sind manchmal die Ausläufer des heißen Wüstenwindes, des Ghibli, zu spüren. Ein junger Mann, Vito steht am Strand, weiß nicht wohin mit sich und seiner Zukunft, kann sich nicht verankern in der Vergangenheitsgeschichte seiner Familie, die mehrfach über das Meer zwischen Libyen und Italien emigriert ist oder zwangsumgesiedelt wurde. Gleichzeitig macht sich ein kleiner Junge, Farid, mit seiner Mutter auf den Weg, weg aus einem Libyen das in den letzten Tagen Gaddafis, der 42 Jahre sein Regime etabliert hatte, seine Einwohner als Waffen gegen Europa aufs Meer schickt. Weiterlesen „Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen“

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft.

Das Buch trifft natürlich genau den Puls der Zeit, mit allen Diskussionen rund um Digitalisierung, Veränderung des Arbeitsmarktes, und der Frage: Wie wollen wir leben?, sollten sich die Strukturen der Wachstumsgesellschaft neu formieren. Eine Utopie ist dieses Buch insofern, als es in seinen Überlegungen eine Vision entwickelt, bei der die Interessen der Menschen berücksichtigt werden, die in unserem Verständnis das Zentrum der Gesellschaft bilden: die Leistungsträger. Und für die ist es tatsächlich die Frage: Was soll schlimm daran sein, wenn langweilige und entfremdete Arbeit wegfällt? (nach S.33) Weiterlesen „Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft.“

Martin Burckhardt: Eine kurze Geschichte der Digitalisierung

Wer es gerne kurz und knackig, ohne viele Umwege mag, ist mit diesem Buch über die Geschichte der Digitalisierung gut beraten. Immerhin 300 Jahre – inklusive eines Ausblicks in die Zukunft – werden auf diesen 250 Seiten beschrieben. Überraschend sind die ganzen notwendigen Vorläuferentwicklungen, die zu einer Denkstruktur und zu Fragestellungen beigetragen haben, die eine Entwicklung der digitalen Technik erst ermöglicht haben. Weiterlesen „Martin Burckhardt: Eine kurze Geschichte der Digitalisierung“

Jürgen Neffe: Marx – Der Unvollendete, Teil II

Teil II

Bei Jürgen Neffe fügen sich die Puzzleteile verschiedener Aspekte des Kapitals in der historischen Analyse und seiner Folgen zu Zeiten des Manchester Kapitalismus und ganz konkret bei der Familie Marx zusammen zu einer umfassenden Geschichte über Ökonomie, Zeithistorie, Familiendrama und Gesellschaft. Und mit Abstand betrachtet gibt die komplexe Zusammenstellung einen Blick frei auf zweihundert Jahre Entwicklung des Kapitalismus, mit dem Puzzleteile verschoben und zusammengesetzt, vorwärts und rückwärts betrachtet, am Ende Marx in seiner nie nachlassenden Aktualität noch einmal rezipiert werden muss.

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Jürgen Neffe: Marx – Der Unvollendete

 

„Was immer man aus Marx gemacht hat: Das Streben nach Freiheit, nach Befreiung der Menschen aus Knechtschaft und unwürdiger Abhängigkeit war Motiv seines Handelns.“ (Willy Brandt, 1977, Vorsatzblatt Jürgen Neffe)

Jürgen Neffe legt uns hier, pünktlich zum Marx- Jahr 2018, eine 600 Seiten Abhandlung vor, die so akribisch und detailgenau erarbeitet ist, dass man beinahe den Marx seiner mittleren Jahre, wie er um die Entstehung seiner großen Schriften ringt und in seinem Perfektionismus-anspruch recherchiert und recherchiert, vor sich sieht. Ist es eine Biographie, ist es eine politische Wirkungsgeschichte, ist es eine philosophische Analyse des Historischen Materialismus? Jürgen Neffe hat alles hineingepackt, um uns nichts vorzuenthalten. Es bedarf schon eines durchhaltenden Interesses, um die ganze Abhandlung zu inhalieren. Weiterlesen „Jürgen Neffe: Marx – Der Unvollendete“

Jürgen Neffe: Darwin. Das Abenteuer des Lebens. Teil 2

Zum Leseprojekt

Ilona Jerger: Und Marx stand still in Darwins Garten mit Sekundärliteratur

der zweite Teil zu Jürgen Neffes Biographie auf den Spuren Darwins.

Darwin zögert es hinaus, immer wieder und über lange Jahre. Die „Entstehung der Arten“ liegt ihm schwer im Magen. Lieber befasst er sich mit zoologischer Forschungsarbeit, anstatt sein Hauptwerk zu vollenden. Die Rankenfüßer haben es ihm angetan. Einst auf seiner Reise in Chile gesammelt und sorgfältig in Spiritus aufbewahrt forscht er z.B. über die Zweigeschlechtlichkeit der Entenmuschel. Ob er seine anhaltenden Bauchschmerzen, den Durchfall und die Krampfanfälle auch aus Chile, wo er sechs Wochen krank darniederlag, mitgebracht hat, ist fraglich. Weiterlesen „Jürgen Neffe: Darwin. Das Abenteuer des Lebens. Teil 2“

Jürgen Neffe: Darwin

„Das Abenteuer des Lebens.“ So lautet der Titel der 2010 im Goldmann Taschenbuch Verlag erschienenen Lebens- und Reisebeschreibung. Jürgen Neffe, Wissenschaftshistoriker, hat sich tatsächlich in den Fußstapfen Darwins auf eine Reise gemacht und beschreibt in seinem Bericht die Entdeckungen und Gedanken Darwins anhand dessen Aufzeichnungen.

Zwei Jahre lang ist er unterwegs und zeichnet die Spuren nach. Dabei begegnet er laufend gegenwärtigen Zeitphänomenen, die er in ein Verhältnis setzt zu dem, was Darwin damals beobachtet und beschrieben hat. Dem Leser wird bald klar, dass eigentlich nichts, von dem was wir heute als selbstverständlich nehmen, so gedacht werden könnte ohne Darwin. Es ist nicht nur eine Lehre von der Artenentwicklung, von der Auslese, von der Evolution, es ist ein Welterklärungskonstrukt, das unser Denken in alle Wissenschaftsbereiche hinein geprägt hat. Nicht nur unsere Naturwissenschaften und im besonderen die Medizin haben durch Darwins Entdeckungen eine entscheidende Richtung genommen, auch für viele andere Entwicklungen, z.B. in der Wirtschaft, in den Kapitalmärkten, wird Darwin ab und an bemüht, zumindest zur Erklärung, warum der ausufernde Kapitalismus mit der Grundmotivation des Menschen zu tun hat, mit seiner Gier nach Leben, seiner Gier nach mehr, und mit einem Vorteil des Stärkeren.

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Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

In dem im Piper Verlag 1967 erschienenen Buch Vita Activa oder Vom tätigen Leben behandelt Hannah Arendt mit vorausschauender Perspektive die Entwicklung des Menschen in einer Gesellschaft von Arbeitstieren. Die Tätigkeiten des animal laborans haben wenig mehr mit ursprünglichem Tätigsein im Sinne von Handeln zu tun, sondern gleichen sich immer mehr Prozessabläufen an wie der Verfeinerung von Apparaten und Sinn und Zweck sind reduziert auf Selbsterhaltung.

Wie hat sich Philosophie verändert?

Die Philosophie begann bei Platon und Aristoteles mit Staunen und ist heute von einem Pragmatismus durchsetzt, der den Menschen allein als von seinen Interessen motiviert betrachtet. Gleichzeitig ist der Mensch der festen Maßstäbe jenseits der Herstellungsprozesse verlustig gegangen. Weiterlesen „Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben“

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