Jahrzehnte später noch einmal gelesen anlässlich des Films, vieles erinnert und vieles vergessen, habe ich mich erneut faszinieren lassen von Max Frisch’s Erzählkunst. Wo andere nur Umrisse gestalten, zergliedert Max Frisch die innersten Beweggründe. Wie in „Mein Name sei Gantenbein“ ist auch dr „Stiller“ eine Beziehungs- und Identitätsgeschichte. Als würde man in einem anatomischen Körper die Nervenfasern freilegen, so werden hier im Roman die mentalen Beweggründe und das Unverständliche einer misslungenen Beziehung freigelegt; die Vorwürfe, die Missverständnisse, die Selbstanklagen – und eine Selbstsezierung bis zur Identitätsaufgabe.
„Entweder verzweifeln wir daran, wir selbst sein zu wollen, oder wir verzweifeln daran, nicht wir selbst sein zu wollen.“
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