Chimamanda Ngozi Adichie: Die Hälfte der Sonne

Adichie schreibt in dieser Familiengeschichte einen Roman über Entkolonialisierung, afrikanische Politik und die Verstrickungen aus der Kolonialzeit. Erschütternd nah am Krieg und dem, was er mit Menschen macht, ist es doch aber auch eine Milieustudie der gehobenen Mittelschicht Nigerias.
Die Hälfte der Sonne strahlte für kurze Zeit auf der Flagge Biafras, einem für nur drei Jahre existierenden Staat in der Region Nigerias. Die über Jahre andauernden Auseinandersetzungen zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sind, wie in allen Krisengebieten Afrikas, den willkürlichen Grenzziehungen der ehemaligen Kolonialherren geschuldet. Weiterlesen „Chimamanda Ngozi Adichie: Die Hälfte der Sonne“

Antonio Pennacchi: Canale Mussolini

Aus dem Italienischen von Barbara Kleiner

An den Entwicklungslinien einer Familiensaga entlang erzählt der Roman die Geschichte einer politischen Anhängerschaft bis zum Extremismus auf eine so direkte, unmittelbare Art und Weise, dass Leben und Politik nicht auseinanderdividierbar sind. Eine arme Bauernfamilie aus dem Norden Italiens, die Peruzzi, werden Anfang des 20. Jahrhunderts als Pächter von den Adligen ausgebeutet, benutzt, ihrer Heimat beraubt. Sie begeistern sich kurz nach dem ersten Weltkrieg für die Ideen des Sozialismus und sie begeistern sich für einen Mann, der damals schon als charismatische Figur die politische Bühne betritt: Mussolini war während der Kriegszeit noch ein Sozialist. Es wird die Geschichte eines halben Jahrhunderts erzählt aus der Perspektive eines Familienmitglieds, das einem Chronisten möglichst detailgetreu die Ereignisse berichtet und dabei Figuren charakterisiert in ihren Motiven, in ihren Idealen und Verwerfungen und vor allem in ihrem Kampf ums Überleben. Weiterlesen „Antonio Pennacchi: Canale Mussolini“

Juli Zeh: Neujahr

Ein Dejá-vu. Nicht so komplex, nicht so vielschichtig wie viele andere Juli-Zeh-Romane, dafür sehr emotional, sehr intim und direkt ins Herz greifend. Henning und Theresa verbringen ihren Winterurlaub mit den beiden Kindern auf Lanzarote. Seit zwei Jahren leidet Henning unter Panik-Attacken, und kann nicht erklären, was der Grund dafür ist. Ein diffuses Übeforderungsgefühl lässt ihn vermuten, dass er seiner Lebenssituation im Gesamten nicht mehr gewachsen ist. Weiterlesen „Juli Zeh: Neujahr“

Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen

Auf Sizilien sind manchmal die Ausläufer des heißen Wüstenwindes, des Ghibli, zu spüren. Ein junger Mann, Vito steht am Strand, weiß nicht wohin mit sich und seiner Zukunft, kann sich nicht verankern in der Vergangenheitsgeschichte seiner Familie, die mehrfach über das Meer zwischen Libyen und Italien emigriert ist oder zwangsumgesiedelt wurde. Gleichzeitig macht sich ein kleiner Junge, Farid, mit seiner Mutter auf den Weg, weg aus einem Libyen das in den letzten Tagen Gaddafis, der 42 Jahre sein Regime etabliert hatte, seine Einwohner als Waffen gegen Europa aufs Meer schickt. Weiterlesen „Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen“

Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft.

Das Buch trifft natürlich genau den Puls der Zeit, mit allen Diskussionen rund um Digitalisierung, Veränderung des Arbeitsmarktes, und der Frage: Wie wollen wir leben?, sollten sich die Strukturen der Wachstumsgesellschaft neu formieren. Eine Utopie ist dieses Buch insofern, als es in seinen Überlegungen eine Vision entwickelt, bei der die Interessen der Menschen berücksichtigt werden, die in unserem Verständnis das Zentrum der Gesellschaft bilden: die Leistungsträger. Und für die ist es tatsächlich die Frage: Was soll schlimm daran sein, wenn langweilige und entfremdete Arbeit wegfällt? (nach S.33) Weiterlesen „Richard David Precht: Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft.“

Martin Burckhardt: Eine kurze Geschichte der Digitalisierung

Wer es gerne kurz und knackig, ohne viele Umwege mag, ist mit diesem Buch über die Geschichte der Digitalisierung gut beraten. Immerhin 300 Jahre – inklusive eines Ausblicks in die Zukunft – werden auf diesen 250 Seiten beschrieben. Überraschend sind die ganzen notwendigen Vorläuferentwicklungen, die zu einer Denkstruktur und zu Fragestellungen beigetragen haben, die eine Entwicklung der digitalen Technik erst ermöglicht haben. Weiterlesen „Martin Burckhardt: Eine kurze Geschichte der Digitalisierung“

Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

In dem im Piper Verlag 1967 erschienenen Buch Vita Activa oder Vom tätigen Leben behandelt Hannah Arendt mit vorausschauender Perspektive die Entwicklung des Menschen in einer Gesellschaft von Arbeitstieren. Die Tätigkeiten des animal laborans haben wenig mehr mit ursprünglichem Tätigsein im Sinne von Handeln zu tun, sondern gleichen sich immer mehr Prozessabläufen an wie der Verfeinerung von Apparaten und Sinn und Zweck sind reduziert auf Selbsterhaltung.

Wie hat sich Philosophie verändert?

Die Philosophie begann bei Platon und Aristoteles mit Staunen und ist heute von einem Pragmatismus durchsetzt, der den Menschen allein als von seinen Interessen motiviert betrachtet. Gleichzeitig ist der Mensch der festen Maßstäbe jenseits der Herstellungsprozesse verlustig gegangen. Weiterlesen „Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben“

Rezension zu „Kohlhaas und der Sinn des Lebens“

Die erste öffentliche Rezension zu meinem Buch auf einem von mir sehr geschätzten Blog von Bernd Arnold:

„Philosophiegeschichte macht mich neugierig. Dagmar Eger-Offel überzeugt mit ihrer Geschichte der Philosophie in mehrerlei Hinsicht: eine Fülle an Primär-Literatur, die Leitfrage der Sinnsuche und die literarische Figur des Michael Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn.
(…) Und Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists Novelle? Dagmar Eger-Offel lässt ihn von Autor zu Kapitel den unterschiedlichen Gedanken und Ideen begegnen, imaginiert Gespräche der Philosophen mit Kohlhaas und deutet seine Perspektiven – was sich spannend liest wie ein Krimi. Gerechtigkeits-Terrorismus ist fehl am Platz, Gerechtigkeit bleibt Idee und Ziel.

Hiermit sei das Buch empfohlen, und wer schnuppern will, findet im Blog der Autorin kapitelweise Videos zum Betrachten und Hören.“

Vielen Dank dafür!

Rezension in voller Länge auf transitnuremberg

Dagmar Eger-Offel, „Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte zur Suche nach dem Sinn“, Literatur im Fenster e. V., Isny im Allgäu 2017, ISBN: 978 – 3 – 00 – 057666 – 9

Programm Sommersemester 2018

Im März beginnt das Sommersemester unseres Kursprogramms.
Literatur im Fenster bietet einen Raum zum Nachdenken und Diskutieren. Wir lassen uns von aktuellen Themen herausfordern. Genauso gerne gehen wir uralten Fragen nach, die jede Gesellschaft aufs neue beantworten muss. In unserem Verständnis von Allgemeinbildung haben wir uns von der Frauen- und Männerakademie der Ulmer Volkshochschule anregen lassen. Unser regelmäßi-ges Kursangebot umfasst die folgenden Fachbereiche:

POLITIK – LITERATUR – PHILOSOPHIE – GESCHICHTE – PSYCHOLOGIE

Weiterlesen „Programm Sommersemester 2018“

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