Jenny Erpenbeck: GEHEN, GING, GEGANGEN

Albrecht Knaus Verlag, München, 2015

„We become visible“, dieser Leitsatz Asylsuchender, die auf dem Alexanderplatz in Berlin demonstrieren, kann als ein Leitmotiv des Romans bezeichnet werden: die in aller Unterschiedlichkeit erzählten Schicksale einiger Schwarzafrikaner stehen stellvertretend für das unaussprechliche Leid der Vielen, die vergeblich monate- oder sogar jahrelang in einer Warteschleife aus Untätigkeit und Angst verharren. Jenny Erpenbeck hat sie sichtbar gemacht.

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Maria Braig: Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat

Verlag 3.0, Bedburg, 2015
erschienen in der Reihe „ubuntu“

Maria Braig erzählt in diesem Jugendroman die Geschichte eines Mädchens, das in Deutschland geboren mit albanischem Migrationshintergrund und einer traumatisierten Mutter versucht, seinen Platz im Leben zu finden. Amra lernt Mechatronikerin, wird 18 Jahre alt und interessiert sich nicht für Jungs. In früher Jugend gab es einen Vorfall mit Marihuana in ihrer Biografie, der mit Sozialstunden abgegolten wurde.
Nun sieht unser Aufenthaltsrecht vor, dass junge, in Deutschland aufgewachsene Menschen mit Migrationshintergrund, sofern sie eine ungünstige Integrationsbilanz aufweisen, mit 18 Jahren in das Herkunftsland ihrer Eltern abgeschoben werden können.

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Maria Braig: Nennen wir sie Eugenie

Verlag 3.0, Bedburg, 2014

„Nennen wir sie Eugenie“ ist die Geschichte einer jungen Frau aus dem Senegal, die in Deutschland Asyl sucht, weil Homosexualität in ihrem Heimatland verfolgt und bestraft wird. Auf einer wahren Geschichte basierend ist das Schicksal von Eugenie Spiegel für gesellschaftliche Ignoranz und für die Unfähigkeit der Behörden, auf die unterschiedlichen Migrationsursachen zu reagieren.

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Jung Chang: „Wilde Schwäne“

Drei Frauen in China von der Kaiserzeit bis heute
Aus dem Englischen von Andrea Galler und Karlheinz Dürr

Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 2004, Erstauflage 1991

Jung Chang wurde1952 in China geboren und ist 1978 über ein Stipendium nach England gekommen wo sie bis heute lebt. Ihre autobiographische Familiengeschichte „Wilde Schwäne“ führte sie zu weltweitem Erfolg, gleichwohl sind ihre Werke in China nach wie vor verboten. Das Buch gewann 1992 den NCR Book Award und 1993 den British Book of the Year Award.

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Lizzie Doron: „Who the fuck is Kafka?“

 Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
Deutscher Taschenbuch Verlag, München, Erstausgabe 2015

Lizzie Doron, israelische Schriftstellerin, kam als Tochter einer Holocaust-Überlebenden über die Geschichte ihrer Mutter zum Schreiben. In ihrem jüngsten Buch „Who the fuck is Kafka“ erzählt sie mit großer Sensibilität über den Versuch einer israelisch-palästinensischen Freundschaft.

Auf einem Friedenskongress in Rom treffen sich Nadim, ein palästinensischer Journalist mit dem Traum, Filme zu machen, und die Ich-Erzählerin, eine israelische Schriftstellerin. Von Anfang an ist ihre Beziehung von zwiespältigen Gefühlen begleitet, von einerseits einer großen Sympathie und andererseits immer wieder aufkommender Unsicherheit und Missverständnissen. Der Titel steht hier stellvertretend für viele kleine Situationen, in denen die Unterschiedlichkeiten der Kulturen zum Verhängnis werden für Verstehen. Es verbindet die beiden der Wunsch, etwas für die Völkerverständigung zu tun und die große Sehnsucht nach Frieden. Sie entwickeln die Idee, einen Film über ihre Freundschaft zu drehen und ein Buch darüber zu schreiben.

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Christa Wolf: „Was bleibt“

Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1994, Erstausgabe 1990

25 Jahre Deutsche Einheit, ein guter Zeitpunkt um wieder mal zu fragen: „Was bleibt?“

Christa Wolf, nach Reich-Ranickis Einschätzung „Deutschlands humorloseste Schriftstellerin“, ist kurz nach der Wende mit dieser Erzählung an die Öffentlichkeit und damit ins Fettnäpfchen getreten. Ursprünglich 1979 geschrieben und nach dem Mauerfall erst überarbeitet und veröffentlicht löste die Erzählung einen großen Literarturstreit aus, in dem Christa Wolf und die gesamte DDR-Literatur auf den Prüfstand gestellt wurden.

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Literaturnobelpreis 2015 für Swetlana Alexijewitsch

Zum Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch

Buchrezension „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“
Aus dem Russischen von Ganna-Maria BraungardtSuhrkamp Taschenbuch Verlag, 2015

Kaum eine Preisvergabe wird jedes Jahr auf Neue in ihrer Würdigkeit so heftig kritisiert, wie die Auswahl des jährlichen Literaturnobelpreisträgers. Dieses Jahr richtete sich die Kritik auf die Frage: Ist es überhaupt Literatur, wenn jemand eine Collage aus Zeitzeugenberichten zusammenstellt?

Natürlich bewegt man sich als Autorin hier an der Grenze zwischen Reportage und Literatur. Auch Irina Liebmann musste sich dieselbe Kritik gefallen lassen mit „Berliner Mietshaus“ in den 80er Jahren, jetzt wird das Buch wieder beachtet als Zeitzeugenliteratur zur Wende.

Was macht Literatur zur Literatur? Selbst wenn ein Gespräch wiedergegeben wird, so wird schon allein durch die Auswahl, durch Auslassungen, durch kommentierende Ergänzungen, ein Gestaltungsziel verfolgt und umgesetzt: die Intention, eine bestimmte Stimmung, eine Emotion, eine mit einem bestimmten Blick verbundene Perspektivübernahme herauszufordern. Und die Art und Weise der Gestaltung ist eine künstlerische. „Literaturnobelpreis 2015 für Swetlana Alexijewitsch“ weiterlesen

Peter Richter: 89/90

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Roman Luchterhand, München 2015,
Shortlist Buchpreis 2015

Ein Wenderoman, ja, wie viele Wenderomane haben wir schon gelesen? Aber so einen noch nicht. Anscheinend ist die Perspektive eines Jugendlichen für die Erzählung unverfälschter Gefühle jetzt gerade eine beliebte Perspektive erfolgreicher Literaten. Wenn uns Frank Witzel, Träger des Buchpreises 2015 mit den Erfindungen und Innenansichten eines manisch-depressiven Teenagers erfolgreich beanspruchen kann, warum nicht auch Peter Richter mit einem Roman über einen 16/17 jährigen, der inmitten seines subjektiven Gefühlschaos die Wende als etwas Aufregendes erlebt und daran Spaß hat, die deutsche Einheit aber keinesfalls will. „Peter Richter: 89/90“ weiterlesen

Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2004. Hebräische Originalausgabe: Keter Verlag, Jerusalem, 2002.
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama.

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Auf den Filmfestspielen in Cannes 2015 stellte Natalie Portman ihren ersten Film als Regisseurin vor, „A Tale of Love and Darkness“, nach dem Roman von Amos Oz, in dem sie auch die Hauptrolle spielt. Nun kommt diese autobiographisch erzählte Familiengeschichte als Kinofilm auf die Leinwand. „Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ weiterlesen

Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Frank Witzel hat mit seinem Titel „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manischen depressiven Teenager im Sommer 1969“, MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 2015, den Deutschen Buchpreis 2015 erhalten!

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Frank_Witzel entfaltet auf 800 Seiten eine Geschichte, die als Erzählung auf verschiedenen Zeitebenen die Wahrnehmung eines Jugendlichen und Erwachsenen in verschiedenen Lebensphasen reflektiert. Mit großer Detailgenauigkeit werden die späten 60er und frühen 70er lebendig, der Geschmack von Brause auf der Zunge, die Musik der Beatles und der Stones, die Kämpfe mit den Eltern um jeden Zentimeter Haarlänge. Der Titel entspricht dem Aufbau des Romans: es wird etwas ausgesagt, das sich im selben Atemzug selbst widerlegt. „Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ weiterlesen

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