Die europäische Festung und Edgar Allan Poe

Freitext Kolumne von Michael Ebmeyer, Januar 2016

Ein Versuch über Edgar Allan Poe und die Gegenwart:

„Wie fast immer bei Poe kann man die Erzählung auch so lesen, dass sie sich ganz im Gemüt eines einzelnen Menschen zuträgt. Zum Beispiel eines „patriotischen Europäers“, der seinen Kopf zur Festung ausgebaut hat. Immer tiefer verbohrt er sich in seinen Wahn, bis er schließlich durchknallt und selbst zum Terroristen wird.“

http://www.zeit.de/freitext/2016/01/12/europa-festung-poe-ebmeyer/

Jenny Erpenbeck: GEHEN, GING, GEGANGEN

Albrecht Knaus Verlag, München, 2015

„We become visible“, dieser Leitsatz Asylsuchender, die auf dem Alexanderplatz in Berlin demonstrieren, kann als ein Leitmotiv des Romans bezeichnet werden: die in aller Unterschiedlichkeit erzählten Schicksale einiger Schwarzafrikaner stehen stellvertretend für das unaussprechliche Leid der Vielen, die vergeblich monate- oder sogar jahrelang in einer Warteschleife aus Untätigkeit und Angst verharren. Jenny Erpenbeck hat sie sichtbar gemacht.

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Maria Braig: Amra und Amir – Abschiebung in eine unbekannte Heimat

Verlag 3.0, Bedburg, 2015
erschienen in der Reihe „ubuntu“

Maria Braig erzählt in diesem Jugendroman die Geschichte eines Mädchens, das in Deutschland geboren mit albanischem Migrationshintergrund und einer traumatisierten Mutter versucht, seinen Platz im Leben zu finden. Amra lernt Mechatronikerin, wird 18 Jahre alt und interessiert sich nicht für Jungs. In früher Jugend gab es einen Vorfall mit Marihuana in ihrer Biografie, der mit Sozialstunden abgegolten wurde.
Nun sieht unser Aufenthaltsrecht vor, dass junge, in Deutschland aufgewachsene Menschen mit Migrationshintergrund, sofern sie eine ungünstige Integrationsbilanz aufweisen, mit 18 Jahren in das Herkunftsland ihrer Eltern abgeschoben werden können.

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Maria Braig: Nennen wir sie Eugenie

Verlag 3.0, Bedburg, 2014

„Nennen wir sie Eugenie“ ist die Geschichte einer jungen Frau aus dem Senegal, die in Deutschland Asyl sucht, weil Homosexualität in ihrem Heimatland verfolgt und bestraft wird. Auf einer wahren Geschichte basierend ist das Schicksal von Eugenie Spiegel für gesellschaftliche Ignoranz und für die Unfähigkeit der Behörden, auf die unterschiedlichen Migrationsursachen zu reagieren.

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Jung Chang: „Wilde Schwäne“

Drei Frauen in China von der Kaiserzeit bis heute
Aus dem Englischen von Andrea Galler und Karlheinz Dürr

Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 2004, Erstauflage 1991

Jung Chang wurde1952 in China geboren und ist 1978 über ein Stipendium nach England gekommen wo sie bis heute lebt. Ihre autobiographische Familiengeschichte „Wilde Schwäne“ führte sie zu weltweitem Erfolg, gleichwohl sind ihre Werke in China nach wie vor verboten. Das Buch gewann 1992 den NCR Book Award und 1993 den British Book of the Year Award.

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Lizzie Doron: „Who the fuck is Kafka?“

 Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
Deutscher Taschenbuch Verlag, München, Erstausgabe 2015

Lizzie Doron, israelische Schriftstellerin, kam als Tochter einer Holocaust-Überlebenden über die Geschichte ihrer Mutter zum Schreiben. In ihrem jüngsten Buch „Who the fuck is Kafka“ erzählt sie mit großer Sensibilität über den Versuch einer israelisch-palästinensischen Freundschaft.

Auf einem Friedenskongress in Rom treffen sich Nadim, ein palästinensischer Journalist mit dem Traum, Filme zu machen, und die Ich-Erzählerin, eine israelische Schriftstellerin. Von Anfang an ist ihre Beziehung von zwiespältigen Gefühlen begleitet, von einerseits einer großen Sympathie und andererseits immer wieder aufkommender Unsicherheit und Missverständnissen. Der Titel steht hier stellvertretend für viele kleine Situationen, in denen die Unterschiedlichkeiten der Kulturen zum Verhängnis werden für Verstehen. Es verbindet die beiden der Wunsch, etwas für die Völkerverständigung zu tun und die große Sehnsucht nach Frieden. Sie entwickeln die Idee, einen Film über ihre Freundschaft zu drehen und ein Buch darüber zu schreiben.

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Christa Wolf: „Was bleibt“

Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 1994, Erstausgabe 1990

25 Jahre Deutsche Einheit, ein guter Zeitpunkt um wieder mal zu fragen: „Was bleibt?“

Christa Wolf, nach Reich-Ranickis Einschätzung „Deutschlands humorloseste Schriftstellerin“, ist kurz nach der Wende mit dieser Erzählung an die Öffentlichkeit und damit ins Fettnäpfchen getreten. Ursprünglich 1979 geschrieben und nach dem Mauerfall erst überarbeitet und veröffentlicht löste die Erzählung einen großen Literarturstreit aus, in dem Christa Wolf und die gesamte DDR-Literatur auf den Prüfstand gestellt wurden.

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In aller Kürze: Konfuzius und Aristoteles

China und der Westen

Xuewu Ge spricht in seiner Publikation für die Bundeszentrale für politische Bildung „Die große Mauer in den Köpfen“ von China und dem Westen und der Suche nach Verständigung. Dafür wurden zu einem Workshop mehrere führende chinesische Wissenschaftler eingeladen, die als Prämisse für eine Verständigung die Suche nach Gemeinsamkeiten, nicht nach Unterschieden, hervorhoben. Für die Chinesen sei es beispielsweise ganz wichtig gewesen, festzustellen, dass das Verständnis von Demokratie nicht allein auf abendländischen Wurzeln basiert, sondern im Konfuzianismus ebenso vertreten sei. Durch diese Erkenntnis können sie, laut Xuewu, mit einem anderen Selbstbewusstsein die Idee der Demokratie vertreten. Mehr unter „Studium Generale, Konfuzius“

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