Literaturnobelpreis 2015 für Swetlana Alexijewitsch

Zum Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch

Buchrezension „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“
Aus dem Russischen von Ganna-Maria BraungardtSuhrkamp Taschenbuch Verlag, 2015

Kaum eine Preisvergabe wird jedes Jahr auf Neue in ihrer Würdigkeit so heftig kritisiert, wie die Auswahl des jährlichen Literaturnobelpreisträgers. Dieses Jahr richtete sich die Kritik auf die Frage: Ist es überhaupt Literatur, wenn jemand eine Collage aus Zeitzeugenberichten zusammenstellt?

Natürlich bewegt man sich als Autorin hier an der Grenze zwischen Reportage und Literatur. Auch Irina Liebmann musste sich dieselbe Kritik gefallen lassen mit „Berliner Mietshaus“ in den 80er Jahren, jetzt wird das Buch wieder beachtet als Zeitzeugenliteratur zur Wende.

Was macht Literatur zur Literatur? Selbst wenn ein Gespräch wiedergegeben wird, so wird schon allein durch die Auswahl, durch Auslassungen, durch kommentierende Ergänzungen, ein Gestaltungsziel verfolgt und umgesetzt: die Intention, eine bestimmte Stimmung, eine Emotion, eine mit einem bestimmten Blick verbundene Perspektivübernahme herauszufordern. Und die Art und Weise der Gestaltung ist eine künstlerische. „Literaturnobelpreis 2015 für Swetlana Alexijewitsch“ weiterlesen

Peter Richter: 89/90

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Roman Luchterhand, München 2015,
Shortlist Buchpreis 2015

Ein Wenderoman, ja, wie viele Wenderomane haben wir schon gelesen? Aber so einen noch nicht. Anscheinend ist die Perspektive eines Jugendlichen für die Erzählung unverfälschter Gefühle jetzt gerade eine beliebte Perspektive erfolgreicher Literaten. Wenn uns Frank Witzel, Träger des Buchpreises 2015 mit den Erfindungen und Innenansichten eines manisch-depressiven Teenagers erfolgreich beanspruchen kann, warum nicht auch Peter Richter mit einem Roman über einen 16/17 jährigen, der inmitten seines subjektiven Gefühlschaos die Wende als etwas Aufregendes erlebt und daran Spaß hat, die deutsche Einheit aber keinesfalls will. „Peter Richter: 89/90“ weiterlesen

Konfuzius im 20. Jahrhundert –

oder: wie ein Weiser als Schlüsselträger für die Rechtfertigung unterschiedlichster politischer Positionen missbraucht wird.

Joachim Schickel gab 1976 „Konfuzius – Materialien zu einer Jahrhundertdebatte“ im Insel Taschenbuch Verlag heraus, in denen rückblickend die Rolle des Konfuzius in den politischen Debatten des 20. Jahrhunderts – in der Zusammenstellung aus der Sicht eines Kommunismus- Sympathisanten – dokumentiert wird.

Studium Generale: Konfuzius

CHINA-&-DER-WESTEN

Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 2004. Hebräische Originalausgabe: Keter Verlag, Jerusalem, 2002.
Aus dem Hebräischen von Ruth Achlama.

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Auf den Filmfestspielen in Cannes 2015 stellte Natalie Portman ihren ersten Film als Regisseurin vor, „A Tale of Love and Darkness“, nach dem Roman von Amos Oz, in dem sie auch die Hauptrolle spielt. Nun kommt diese autobiographisch erzählte Familiengeschichte als Kinofilm auf die Leinwand. „Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ weiterlesen

Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969

Frank Witzel hat mit seinem Titel „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manischen depressiven Teenager im Sommer 1969“, MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 2015, den Deutschen Buchpreis 2015 erhalten!

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Frank_Witzel entfaltet auf 800 Seiten eine Geschichte, die als Erzählung auf verschiedenen Zeitebenen die Wahrnehmung eines Jugendlichen und Erwachsenen in verschiedenen Lebensphasen reflektiert. Mit großer Detailgenauigkeit werden die späten 60er und frühen 70er lebendig, der Geschmack von Brause auf der Zunge, die Musik der Beatles und der Stones, die Kämpfe mit den Eltern um jeden Zentimeter Haarlänge. Der Titel entspricht dem Aufbau des Romans: es wird etwas ausgesagt, das sich im selben Atemzug selbst widerlegt. „Frank Witzel: Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ weiterlesen

Max Horkheimer – Kritische Theorie

Neue Unterseite im „Studium Generale“ mit wöchentlichen Artikeln.

1. Teil: Sozialphilosophie als „Kritische Theorie der Gesellschaft“

In den Sechziger Jahren wurde der herrschende Grundkonsens zu Fragen nach der Verteilung von Macht und Privilegien, von Eigentum und Freiheit in Form einer politischen und gesellschaftlichen Krise in Frage gestellt. Die jungen Studenten knüpften an die Bemühungen des Instituts für Sozialforschung und deren in den 30er Jahren entwickelten Kritische Theorie an. An den Pranger gestellt wurden die grundsätzlichen Widersprüchlichkeiten des westlichen Wirtschaftssystems, die strukturellen Zusammenhänge zwischen ökonomischer, politischer und soziokultureller Handlungsebene. Aus der Kritischen Theorie ließen sich trefflich Argumente zur Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse ableiten.

Warum wir heute aus der Beschäftigung mit der Kritischen Theorie, gerade in Hinblick auf die unterschiedlichen Zeitebenen und auf die gegenwärtigen Entwicklungen, wieder wertvolle Inspiration ziehen können: https://literaturimfenster.wordpress.com/studium-generale/max-horkheimer/

 

„Welt“- Literaturpreis: Haruki Murakami „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki „.

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Dumont, Köln 2014.

Wieder einmal wird in den Rezensionen häufig der Begriff „Magischer Realismus“ bemüht, um eine Besonderheit des Erzählens mit wenigen Worten zu erklären. Was ist es, das Haruki Murakami zu diesem besonderen Erzähler macht, dass die Welt von ihm fasziniert ist? „„Welt“- Literaturpreis: Haruki Murakami „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki „.“ weiterlesen

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