Wie viele Theorien der Gerechtigkeit stehen zur Wahl?

Es ist doch jedes mal dasselbe: vor den Wahlen haben alle Parteien ähnliche Antworten auf die Fragen der Gerechtigkeit. Wie gut, dass sich wenigstens noch die philosophischen Grundlegungstheorien dazu unterscheiden! Bei genauerer Analyse der parteipolitischen Programme auf die zugrunde gelegten Menschenbilder und Gesellschaftstheorien hin werden dann doch die großen Unterschiede sichtbar

!Buch_Die_Wuerde_des_K.A._Titel_26102010

Roboter- Ethik

Das darf ja wohl nicht wahr sein: wir machen uns Gedanken über Roboter-Schutzgesetze! Es gibt einen neuen Forschungsbereich, der untersucht, warum wir mit einbeinigen und zerbeulten Robotern Mitleid empfinden, wie wir mithilfe eines angewandten Anthropomorphismus Objekte vermenschlichen und Gefühle auf sie übertrage. Dass im unten genannten Artikel von Johannes Wendt Tiere und Roboter in einem Atemzug genannt werden, ist absolut unzulässig. Interessant ist ein Schlüsselbegriff für die Entstehung unseres Mitleidens: autonomes Verhalten. Wenn man den Eindruck bekommt, dass eine Maschine selbständig Informationen verknüpft und daraus eine eigene Beurteilung der Situation ableitet, neigt man zur Zuschreibung von Urteilsfähigkeit. Aber halt: weder die ideelle Freiheit noch die Urteilsfähigkeit ist für ein Programm denkbar. Also die Vorstellung von autonomem Verhalten ist keine Begründung.

Aber die Vorstellung, mit allem Handeln seien Emotionen verknüpft, die genügt irrigerweise wider besseres Wissen, weil wir unser emotionales Handeln darin spiegeln. Es macht uns etwas aus, einen Roboter „leiden“ zu sehen, deshalb brauchen wir zum Schutz unserer Emotionen und Urteile Roboter-Schutzgesetze (?!)

Kate Darling im ZEIT online Artikel von Johannes Wendt, vom 10.05.2013:

Für sie, die auch Juristin ist, stellt sich daher die Frage, ob es nicht entsprechende Roboter-Rechte brauche. „Gesetze sind eine soziale Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten wollen. Wenn wir nicht wollen, dass Pferde und Katzen gequält werden, verbieten wir das.“ Eine ähnliche Entscheidung werde auch bei Robotern bevorstehen, die mit uns sozial interagieren. „Es geht nicht darum, die Objekte zu schützen“, sagt Darling. „Es geht darum, die Werte unserer Gesellschaft und uns selbst zu schützen.“

http://www.zeit.de/digital/internet/2013-05/roboter-ethik-kate-darling/seite-1

Google Glass: Technik für Solitäre

Vom philosophischen Standpunkt aus stellt sich die Frage, inwieweit der Mensch durch den technischen Ausbau der Nutzung seiner Sinnesorgane noch mehr zum Solitär in der Gruppe der vielen Solitäre wird.

Vom politischen Standpunkt aus stellt sich die Frage, wer hat den Nutzen, Menschen noch stärker voneinander zu isolieren, anstatt sie über die Steigerung der Sinneswahrnehmung (so man Technik zur Wahrnehmungssteigerung zum Einsatz bringen möchte) mehr aufeinander zu beziehen.

Wenn wir mit Hilfe von Google Glass Töne über den Schädelknochen aufnehmen können, könnte man auch etwas entwickeln, das uns stärker in Bezug zu anderen Menschen setzt, wie zum Beispiel das Seitenlinienorgan der Fische, mit dem sie Bewegung im Wasser wahrnehmen und darauf reagieren?

Solitäre sind leichter zu handlen und abzulenken und entwickeln kein gemeinsames Potential. Zu Google Glass:

http://www.zeit.de/digital/mobil/2013-04/google-glass-technische-daten

Forschungsfeld Gender-Ökonomie

Schon vor vielen Jahren haben der indische Ökonom Amartya Sen und die amerikanische Philosophin Martha Nussbaum den Zusammenhang von Sterberate und Geschlecht untersucht. Dem Thema wird nun endlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt – nicht aus gleichstellungspolitischen Gründen, sondern aus wirtschaftlichen.

„Etliche Studien zeigen, dass dort, wo Frauen mehr zum Sozialprodukt beitragen, Wachstum und Wohlstand schneller und sozial ausgeglichener gedeihen.“ Aus diesem Grund hat die Ökonomie ein wachsendes Interesse daran, etwas gegen das weltweite Frauensterben zu tun. „Für die Bank steht seither außer Frage, dass es weltweit »erste Priorität« aller Frauenpolitik sein müsse, die »überhöhte Sterberate von Mädchen und Frauen zu reduzieren«.“ Gender- Ökonomie ist in der Weltbank angekommen. In der ZEIT vom 29.03. werden Untersuchungen gegeneinandergestellt, die die Absurdität und geschlechtsbezogene Menschenverachtung thematisieren unter dem Titel: Indien ermordet seine Frauen.

http://www.zeit.de/2013/13/Frauen-in-Indien/seite-2

Und doch bleibt es absurd, die Themen erst vor dem ökonomischen Hintergrund ernst zu nehmen.

Morgan Stanleys feministische Wette

Die Bundesregierung will zwar mal wieder die Frauenquote kippen, aber an der Diskussion über die Bedeutung kommt kein ernstzunehmendes Gremium mehr vorbei. Interessant ein Ansatz, ausgerechnet von einer amerikanischen Großbank: Überall wo Frauen in den Aufsichtsräten sitzen, sind die Renditen höher. Es wird ein Fond gegründet, der nur Unternehmen mit einer bestimmten Frauenquote aufnimmt: Die Frauenquote als wirtschaftlicher Vorteil. Wie schon so oft in der Geschichte scheint es auch hier die Entwicklung zu nehmen, dass eine politische Selbstverständlichkeit sich erst als Thema durchsetzten kann über den wirtschaftlichen Vorteil. Schade, wieder mal ein deutliches Zeichen für die Allmacht der Ökonomie. Was gesellschaftlich relevant ist, entscheiden Zahlen.

Am 27.03. von Kim Bode in der ZEIT:

http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-03/morgan-stanley-frauen-quote-2/seite-1

Unbeschreiblich weiblich und männlich

In seiner Kolumne beschreibt Emanuel Derman auf das Thema Geschlechtsidentität bezogen zunächst ein allgemeines Problem des menschlichen Verstands: wir können nur die Dinge denken und benennen, für die wir Worte haben und Worte sind ein Gewöhnungsprozess, mithilfe dessen wir unser Erfahrungswissen aufbauen. Was wir nicht „kennen“, können wir nicht zuordnen.

Derman entwickelt interessante Schemata, anhand von Grafiken dargestellt, wie Geschlechtszuordnung aus mehreren Komponenten zusammengesetzt gedacht werden kann, und zur Variabilität von Geschlechtsbezogenheit in der Zeit. Allemal eine Herausforderung. Und: amüsant, wie verbissene Konservative in ihren Kommentaren die Erweiterung der Sicht und der Sprache als Bedrohung der Heterosexualität und als Bedrohung der Mehrheit anklagen.

Dabei geht es doch nur um eine flexiblere Sicht. Wenn es an irgendetwas zu arbeiten gilt, dann an unseren Kategorisierungen und an ihrem Instrument, der Sprache. Denn: Wir sind weit davon entfernt, ohne Angst anders sein können, wie Adorno einst als Ziel formulierte.

 

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/modelle-die-sich-schlecht-benehmen/kolumne-von-emanuel-derman-unbeschreiblich-weiblich-und-maennlich-12083925.html

 

 

Neue Formen des Schreibens

Im Artikel: „Leser, mach’s dir selbst“, von Maximilian Probst und Kilian Trotier, ZEIT, 31.01.13 werden die neuen Formen und Möglichkeiten digitaler Autorschaft thematisiert.  Nach dem Motto von Marshall McLuhan: „Das Medium ist die Botschaft“ sind mit dem e-book-Markt ganz neuen Publikationsformen entwickelt worden: das e-book kann mit sämtlichen interaktiven Elementen angereichert werden und insofern ist es nicht verwunderlich, dass nun auch die Möglichkeit, den Leser nicht nur im Leser-Kopf, sondern schon im Schreiben mit zum Autor zu machen, realisiert wird. Computervermittelte Kommunikationsformen basieren auf der Idee des kollaborativen Arbeitens und da ist es naheliegend, auch bei der Produktion von e-books mit bisher festgeschriebenen Setzungen variabel umzugehen. Was aber geschieht, wenn ein Buch nicht mehr vom Autor allein geschrieben wird, wenn es von den Lesern mit gestaltet wird, wenn es vielleicht kein fixiertes Ende mehr gibt, sondern immer wieder mit Veränderungen neu erscheint? Allemal nachdenkenswert. Ich werde den Artikel später noch mal überdenken. Vielleicht anhand von Kommentaren neu bearbeiten…

Die Autoren fragen:

„Was passiert, wenn das Medium Buch unwiderruflich in die Logik des Digitalen eintaucht? Wenn die Möglichkeiten der Vergemeinschaftung im Netz den Prozess des Bücherschreibens verändern?“

Später: Permanente Veränderbarkeit, gemessen am Leseverhalten. Wenn das zur Forderung wird, wo bleibt dann die Kunst?

„Unsere Datenanalyse zeigt, dass auf Seite 39 nach dem zweiten Absatz 24 Prozent der Leser ausgestiegen sind. Anscheinend stimmt da etwas nicht, ändern Sie doch die Passage, damit mehr Leute weiterlesen.“

http://www.zeit.de/2013/06/Internet-Buecher-schreiben

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑