Theodor W. Adorno – Kohlhaas auf der Suche

Negative Dialektik:
Die Frage nach dem Sinn im Angesicht des Dritten Reichs.
Gibt es noch einen Sinn der Philosophie angesichts ihres Scheiterns?

Bekannt wurde Theodor Wiesengrund Adorno vor allem über seine mit Max Horkheimer gemeinsam verfasste Schrift: Dialektik der Aufklärung. Es gilt bis heute als wichtige philosophische Abhandlung zur Kritik an einem Vernunftbegriff, der den Menschen instrumentalisier.
In den 60er Jahren genoss vor allem die Fakultät für Soziologie in Frankfurt deutschlandweit einen Ruf, der junge Studenten anzog, die über die Kritik an den herrschenden Verhältnissen für ein emanzipatorisches Infragestellen der gesellschaftlichen Priorisierungen stehen. Vor allem die bis dahin fehlende Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen war ein vorrangiges Thema.

Die Frage, die dahinter steht, lautet: Wie ist Philosophie mit den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts überhaupt noch möglich? Der Weg, den er für seine große Kritik einschlägt, ist zunächst der Versuch, eine bestimmte Art des identifizierenden Denkens auseinanderzunehmen. Er entwickelt hier, wie auch schon in früheren Schriften, eine sozialkritische Methode, die es sich zur Aufgabe macht, die Wahrheit gesellschaftlicher Kategorien zu hinterfragen. Eine rücksichtslose Kritik all dessen, was Philosophie versprochen hatte, geht bis in die Grundlegungen, denn Philosophie kann nicht mehr eins sein mit der Wirklichkeit.

4 Kommentare zu „Theodor W. Adorno – Kohlhaas auf der Suche

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  1. Liebe Dagmar,
    Danke für die Adorno-Lektüre und Interpretation. Sein eigenes Werk verstehe ich so, dass die Philosophie – wenn sie auch beigetragen hat zum Aufkommen des Nationalsozialsmus, gemeinsam mit ökonomischen und politischen Faktoren – gleichwohl weiter bestand. So mit seinen „Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, den „Minima Moralia.“
    Heute wird aus dem Zusammenhang genommen aus Nummer 66, Melange, „ohne Angst verschieden sein „.
    Von der „Dialektik der Aufklärung “ ist mir die „fesselnde“ Deutung des Odysseus und das Verhältnis von Mythos und Aufklärung in Erinnerung.
    Nun mag ich mal nach der „Negativen Dialektik“ schauen.
    Herzliche Grüße, Bernd

    1. Lieber Bernd,
      die „Dialektik der Aufklärung“ lässt sich lesen wie ein Roman gegen die „Negative Dialektik“. Auch die Minimal Moralia sind vergleichsweise leichter verdauliche Essays zu verschiedenen themen. Die „Negative Dialektik“ ist wirklich das OIpus Magnum von Adorno und in weiten Teilen in einer ausgesprochen schwierigen Sprache verfasst. Er versucht hier wirkich noch mal an den tradierten Grundfesten der Philosophie zu rütteln und bietet unglaubliche Ergüsse in abstraktem Denken. Obwohl der eigentliche Inhalt, das Fortbestehen der Philosophie, trotz allem, meiner Ansicht nahc etwas mehr Praxisnähe verdient hätte. Ich kann’s dir gerne mal schicken zum Reinschauen. 😉
      Lieben Gruß Dagmar

      1. Liebe Dagmar,
        danke für Deine Resonanz und Dein freundliches Angebot. Womöglich geben Deine Lesezeichen, Anstriche oder Randnotizen einen guten Leitfaden. Gelegentlich schaue ich in der Stadtbibliothek, und wenn ich die „Negative Dialektik“ fesselnd finde, hole ich sie mir.
        Dies hat mich beeindruckt in Deinem Buch, dass Du Dich durch die dicken großen Wälzer gearbeitet und sie für Deine Leser*innen bedacht aufgeblättert hast.
        Auch bei anderen philosophischen Klassikern ist auffällig, dass die Schriften aus der jüngeren Zeit stärker rezipiert wurden als die gereiften Spätwerke. Platons „Politeia“ finde ich öfter besprochen als die „Nomoi“, oder das „Wesen des Christentums“ von Feuerbach häufiger zitiert als die „Theogonie aus den Quellen des Classischen, hebräischen und christlichen Altertums“.
        Auf weiteren Austausch freue ich mich.
        Schöne Grüße, Bernd

  2. Lieber Bernd,
    habe im Altertum sicher auch ein paar Lücken, aber was mir das konsequente Erarbeiten unterschiedlichster Philsophien erleichtert hat, ist die Auseinandersetzung mit anderen Interessierten über die Kurse, die ich dazu gebe. Sonst hätte ich vielleicht manches mal das Hadtuch georfen. Zum Beispiel bei der Negativen Dialektik … 😉 Herzlichen Dank für deine Rückmeldungen und Anregungen, ich schätze das wirklich sehr. Lieben Griuß
    Dagmar

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