Peter Härtling / André Gorz / Matthias Oden

Hab’ da noch von meinem SuB ein paar Bücher dieses Sommers, die keine Rezension bekommen, aber nicht unerwähnt bleiben sollen.

Peter Härtling: Niembsch oder Der Stillstand.
Nach dem Tod von Peter Härtling, den ich vornehmlich als Kinderbuchautor kannte, habe ich mir ein kleines, schmuckes Buch bestellt mit dem Titel Niembsch oder Der Stillstand.
Eine Suite. Die Biographie eines Dichters des 19. Jahrhunderts hat ihn zu dieser bezaubernden Liebesgeschichte angeregt. Niembsch schreibt an einem Werk über Don Juan und erzählt auf ambitioniert poetische Art von seinen eigenen Liebesgeschichten. Es sind aber, im Unterschied zu Don Juan, einige wenige Frauen, die alle, auf unterschiedliche Art, tief in sein Leben eingreifen. Und am Ende begleitet er eine langjährige Geliebte beim Sterben. Dieses Erlebnis ist so einzigartig schön beschrieben, dass mir die Worte fehlen. Den Lyriker merkt man am Schreibstil überall und manchmal fiel es mir etwas schwer, die Geschichte sortiert zu bekommen.

André Gorz: Brief an D. Geschichte einer Liebe.
Der ursprünglich aus Wien stammende Philosoph beschreibt seine Lebensbeziehung kurz bevor er gemeinsam mit seiner todkranken Frau in den Freitod geht. Er will ohne sie nicht weiterleben und verfasst dieses kleine Büchlein als Abschiedsgeschenk an sie und an die Welt. Eine anrührende Liebeserklärung. Aber für meinen Geschmack fällt er oftmals zu sehr ins Beschreiben von Ereignissen und, was mich gestört hat, man merkt an so vielen Stellen, dass hier im Nachhinein versucht wird, Dinge zurechtzubiegen, um am Ende damit einverstanden sein zu können – was ja an sich ein lobenswertes Bemühen ist – aber ich persönlich mag diese späte Reue nicht.

Matthias Oden: Junktown
Eine ganz andere Geschichte – ich liebe ja dies Dystopien, die die Welt auf den Kopf stellen – ist von Matthias Oden: Junktown. Nach der konsumistischen Revolution, die ursprünglich die Befreiung versprochen hat, erkennt ein Kommissar, einst selbst Revoluzzer, dass die Machtmechanismen dieselben geblieben sind, lediglich das System wurde ausgetauscht. Drogennehmen ist Pflicht und wird über Bluttests kontrolliert, Konsum ist Pflicht und der zum Nachweis nötige Müll wird aus dem Ausland importiert, wer einen „Goldenen Schützen“ in der Familie hat, wird lebenslang unterstützt und geehrt. Der Kommissar tritt auf den Plan, weil eine Brutmutter, eine Maschine mit menschlichen Emotionen, mit ihren 800 Föten – einem geheimen Forschungsprojekt zur Züchtung einer neuen Gattung, die keine Drogentoleranzen mehr entwickelt – umgebracht wurde. In dieser ganzen verdrehten, verrückten Geschichte ist es sehr unterhaltsam, die ganzen Persiflagen auf die politischen Verhältnisse zu entdecken. Und am Ende, natürlich, geht es um Machterhalt, und nichts anderes. Drogenabhängigkeit als Repressions- und Kontrollmittel, darauf muss man erst mal kommen! Sehr schräg.

Peter Härtling: Niembsch oder Der Stillstand. Henry Groverts Verlag, Stuttgart, 1964

André Gorz: Brief an D. Geschichte einer Liebe. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer, btb Verlag, München, 2009

Matthias Oden: Junktown. Wilhelm Heyne Verlag, München, 2017

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