Sophie La Roche: „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“

 Eine Bildungsgeschichte als Ideal der Zeit

Sophie von LA ROCHE ist eine überaus interessante Repräsentantin des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Nachdem sie bereits mit drei Jahren lesen konnte, flehte sie als 12jähriges Kind ihren Vater an, ihr eine schulmäßige Ausbildung angedeihen zu lassen.  Die geborene Sophie GUTERMANN erwarb ein umfangreiches Wissen auf vielerlei Gebieten. Aber ihrer Zeit gemäß hatte sie die Einstellung, mit ihrem Wissen dem Manne dienlich zu sein, und bei Hofe mit Geistesreichtum zu brillieren sei die ausreichende Erfüllung für eine Frau. Dass sie selbst auch schöpferisch tätig war, indem sie Romane schrieb und als die erste Frau Deutschlands eine eigene Zeitschrift herausgab, Pomona für Teutschlands Töchter, scheint damit in Widerspruch zu stehen. Betrachtet man aber die Inhalte der von ihr publizierten Schriften, so wird hier, mit pädagogischen Absichten, durchaus ein Frauenideal propagiert, das sich durch Einfügung, Duldsamkeit, Tugendhaftigkeit im Dienst am Mann und allen Mitmenschen, bewährt. Wie sehr diese weibliche Tugendhaftigkeit ein Kind der Empfindsamkeit ist, zeigt exemplarisch ihr Roman Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim.

Was sich bereits bei Sophie von La ROCHE abzeichnet und von den späteren Generationen weitergeführt wird, ist eine grundsätzlich veränderte Haltung der Dichtung gegenüber. Das kausale Verhalten der Frauen wandelt sich zu einem teleologischen Handeln. Der Blick in die Zukunft, die Zielgerichtetheit, etwas ausdrücken, etwas erreichen wollen, dies alles entwickelt sich gerade auch mit den Briefromanen. GOETHES Werther ist so ‚konstruiert’, dass über die Form des Briefromans rückwirkend ein gescheitertes Leben erklärt wird (kausal). Sophie von La ROCHEs Roman Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim hingegen verfolgt das Ziel, auf einer fiktionalen Grundlage eine anstrebenswerte Form möglicher Lebensgestaltung zum Ausdruck zu bringen (teleologisch). Um diesen Anspruch erfüllen zu können, muss die ‚Beinahe- Tragödie’ mit einem Happy-End abschließen.

Die gesellschaftliche Emanzipation richtete sich auf die Befreiung vom Absolutismus, auf Mündigkeit und Selbstbestimmung der Bürger. Die dafür aufgestellten Ideale dienten der Abgrenzung vom Adel und bildeten ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein. Die Rolle, die den Frauen dabei zukam, ist in dem Sinne eher bescheiden, als dass sie nichts mit der Gleichstellung der Frau zu tun hat. Die sogenannte weibliche Emanzipation beginnt erst sehr viel später. Aber die Bedeutung der Frauen im entstehenden Wechselverhältnis zwischen Männern und Frauen im 18. Jahrhundert ist dennoch nicht zu unterschätzen. Gerade für die Entwicklungen in der Sprache und damit in der Kultur, werden Frauen in dieser Zeit mit ihren Fähigkeiten zum gefühlvollen Ausdruck zur antreibenden Kraft.

Inhalt: Uni Paderborn Wiki

Autorin: Projekt Gutenberg Autoren

Text: Projekt Gutenberg Text

Literatur: Aufklärung und Bildung im 18. Jahrhundert

Ergänzende Informationen zum Skript:

1.   Aufklärung und Bildung im 18. Jahrhundert

Die Entdeckung des Subjekts, Briefkultur, Goethes „Werther“

Text: http://gutenberg.spiegel.de/buch/3636/1

Die Entwicklung in der  Dichtkunst des 18. Jahrhunderts kann bezeichnet werden als eine Emanzipation von Ordnungsmächten. Speziell die Beobachtungen an der Tragödie sind sehr aufschlussreich über das Zeitalter der Aufklärung, denn hier wird tatsächlich thematisiert, was die Menschen bewegt, das Theater spricht aus, was gedacht wird. Und darüber wird dann in den Briefwechseln wieder reflektiert und die Entwicklung weitergetrieben. Nur aufgrund der intensiven Kommunikation, auch oder gerade in schriftsprachlicher Form, konnte sich so schnell so viel verändern. Man könnte die Wirkung, die die Dichter wie auch die Verfasser der Briefsteller (theoretische Grundlagen der Briefkultur) erzielen wollen, auf den in der Aufklärung entstehenden Erziehungsoptimismus zurückführen. Das Weltbild hatte sich von der Theozentrik hin zur Anthropozentrik entwickelt. Das Wirken des Menschen bekam ganz andere Dimensionen. Eine besondere Form der Dichtung des 18. Jahrhunderts ist der Briefroman.

Kann der Weblog eine neue emanzipatorische Form von Kommunikationskultur sein, welche die Kulturentwicklung im Sinne von selbständig und kollektiv gestalteter Wissensgenerierung vorantreibt?

Hier ein Link zur Epoche der Auklärung:

http://www.pohlw.de/literatur/epochen/aufklaer.htm

„Literatur im Fenster“ lädt ein zur Diskussion und zum Sammeln von Informationen.

Viel Freude und Forschungslust!

Vom Guten, Wahren und Schönen

 

Sybille Lewitscharoff: Vom Guten, Wahren und Schönen

Sybille Lewitscharoff, in Berlin lebende Schriftstellerin, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, hat sich letztes Jahr mit ihrem Roman “Blumenberg” wieder mutig und sprachgewitzt an ein Thema gewagt, das sich als ungewöhnlich in der zeitgenössischen Literatur auszeichnet.

Der alternde Philosoph Blumenberg sucht Trost in der Mystifikation eines Löwen, der ihm erscheint und ihn noch einmal mit all seinen Beschäftigungen  im Zusammenhang mit Mythologie, Religion und menschlichen Befähigungen konfrontiert.

Nun macht sie in anderem Kontext von sich reden: In den Frankfurter und Züricher Poetikvorlesungen ist Sybille Lewitscharoff seit Emil Staiger, 1966, angeblich die erste, die den Mund mal wieder voll nimmt und gegen die zeitgenössische Literatur zu Felde zieht. Sie bezeichnet es gar als “Affentheater des Zeitgeschmacks”, was derzeit zu Papier gebracht wird, eine Spiegelung einer Gesellschaft, die sich “als menschlichen Schrott betrachtet”. Dabei läuft sie aber selbst Gefahr, auf abgeschmackte Art und Weise ihre zeitgenössischen Kollegen zu verreissen.

Mehr dazu im FAZ- Feuilleton vom 08.06.2012 mit obigem Titel (als Dateityp hier leider nicht erlaubt) und nach Lektüre des “Guten, Wahren und Schönen” an dieser Stelle.

 

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