Maja Lunde: Als die Welt stehen blieb

Schon ist ein ganzes Jahr vergangen, seit wir Neulinge waren im Umgang mit unseren Ängsten und Sorgen, bezogen auf die Pandemie und die Zukunft. Ein Jahr später werden wir – nicht alle, aber viele – immer noch gebeutelt vom emotionalen Hin- und Hergeworfensein zwischen Verzweiflung, Mut, und Hoffnung, und beobachten viele Veränderungen, für die wir noch keinen Namen haben. Maja Lunde schreibt über die Tage des ersten Lockdowns. Es sind nur gute zwei Wochen, die sie beschreibt auf die ihr eigene Art, in der sie direkten Zugang zu ihren Emotionen gewährt.
Es ist die Verletzlichkeit, die persönliche und die kollektive, die durch dieses Tagebuch noch einmal aufscheint aus einer Vergangenheit, die noch andauert und in der sich neue Verhaltensweisen festgesetzt haben.

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Clarice Lispector: Tagtraum und Trunkenheit einer jungen Frau.

Eine bedeutende Autorin des 20. Jahrhunderts bekommt über vierzig Jahre nach ihrem Tod zwei neue Bände mit Erzählungen im Penguin Verlag. Clarice Lispector, 1920 in der damaligen Ukrainischen Sowjetrepublik geboren, aufgrund wiederkehrender Juden-Pogrome mit ihren Eltern emigriert nach Brasilien, war bereits mit 23 Jahren eine erfolgreiche Romanautorin. Nun, zu ihrem 100sten Geburtstag erschienen zwei Bände mit Erzählungen.

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Juli Zeh: Corpus Delicti

„Corpus Delicti. Ein Prozess.“ Der Roman zur Pandemie – so scheint es auf den ersten Blick. Eine Gesundheitsdiktatur der Zukunft, vorgestellt für das Jahr 2054, stellt die physische Gesundheit über alle anderen Interessen und scheut nicht davor zurück, mit aller Konsequenz und Härte ihr Gesundheitsparadigma durchzusetzen. Es wird behauptet, dass an diesem Punkt das private und das öffentliche Interesse zusammenfallen, übereinstimmen. Wer ein privates Interesse hat, das diese Übereinstimmung aus dem Gleichgewicht bringt, wird zum „Methodenfeind“ stilisiert. Dieses Buch aber als Ideengeber für „Querdenker“ und Konsorten zu rezipieren wäre viel zu kurz gedacht. Hier stehen drei Bücher von Juli Zeh in einem Zusammenhang, die die überzeitliche Problematik unseres Sicherheitsbedürfnisses im Verhältnis zu einer Freiheit, die unser Menschsein ausmacht, zum Thema hat.

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Dirk Gratzel: Projekt GreenZero

Nächsten Sommer habe ich hinter dem Haus eine Wildblumenwiese und in drei Jahren einen Streuobstgarten. An meinem ökologischen Fußabdruck arbeite ich eh schon lange. Aber das was Dirk Gratzel hier vorlegt mit Projekt GreenZero überstieg meine bisherigen Vorstellungen eines verantwortungsvollen Fußabdrucks. Der bis in seine späten vierziger Jahre erfolgreiche Manager aus der IT-Branche will nicht nur seinen von heute bis zu seinem Lebensende verursachten Klimaschaden neutralisieren, nein, er hat es sich mit Projekt GreenZero zur Aufgabe gemacht, auch den gesamten Schaden, den er bis dahin angerichtet hat, zu kompensieren. Aber dafür braucht er erst einmal irgendetwas, um eine Idee davon zu bekommen, wie groß der Schaden überhaupt ist. Er findet in Berlin eine Universität, die ihn darin unterstützt und ein Forschungsprojekt daraus macht.

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Aldous Huxley: Schöne neue Welt

1998 wählte die Modern Library, eine bedeutende englischsprachige Institution für Literatur und Kunst, die „Schöne Neue Welt“ auf Rang 5 der 100 besten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts.
Der Roman spielt in der Zukunft, im Jahre 2540 n. Chr., und er beschreibt eine Gesellschaft, in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ herrschen. Wer würde sich das nicht wünschen. Doch was ist der Preis dafür? Aldous Huxley gilt als ein Universalgelehrter, der in dieser Geschichte der Frage nachgeht: Kann man sich überhaupt eine Utopie wünschen? Weiterlesen „Aldous Huxley: Schöne neue Welt“

Martina Altschäfer: Andrin

Eine Ghostwriterin macht sich auf den Weg nach Italien, um dort entspannt in Klausur zu gehen, für ein Premium-Projekt ihres Verlags, bei dem sie für einen von seiner eigenen Großartigkeit geblendeten Unternehmer eine Biographie verfassen soll. In den Schweizer Bergen landet sie durch verschiedene Umstände und eigenen Trotz in einem Bergdorf, in dem sie dann völlig unerwartet Monate verbringt. Und hier beginnt die zauberhafte Geschichte eines „nebenbei“ ereigneten Ausstiegs in eine Landschaft und eine Atmosphäre, in die die Leserin der Protagonistin sofort folgen möchte. Auch wenn die Berglandschaft keineswegs heimelig beschrieben wird, sondern allem etwas Unwägbares anhängt, so ist doch das Sich-Einfügen in die Umgebung von einem magischen Zauber begleitet. Weiterlesen „Martina Altschäfer: Andrin“

Francois Lelord: Es war einmal ein blauer Planet

Francois Lelord, ehemals praktizierender Psychologe und Psychiater in Paris, wurde bekannt mit seinen Romanen über den Psychiater Hector, der sich überall auf der Welt auf die Suche macht, nach dem Glück, nach dem Sinn, nach der Liebe, nach einem neuen Leben.
In „Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück“ schreibt er:

„Lektion Nr. 12: Glück ist schwieriger in einem Land, das von schlechten Leuten regiert wird.“

Alle seine Bücher sind ein bisschen Roman, ein bisschen Lebensratgeber, ein bisschen Suche nach vereinfachenden Antworten für die komplexen Fragen des Lebens. Mit seinem neuen Buch „ Es war einmal ein blauer Planet“ wagt er nun einen Blick in die Zukunft und es fallen viele seiner bisherigen Fragen thematisch zusammen: Was braucht es für eine Gesellschaft, damit ihre Mitglieder glücklich sein können? Welche Formen kann Liebe darin annehmen? In was für einer Welt wollen wir leben? Weiterlesen „Francois Lelord: Es war einmal ein blauer Planet“

Jean Ziegler: Die Schande Europas. Von Flüchtlingen und Menschenrechten

Jean Ziegler verfasst ein Plädoyer gegen das Wegschauen, gegen die Gleichgültigkeit gegenüber den unmenschlichen Zuständen in den sogenanten „Hotspots“ auf dem europäischen Kontinent, den Lagern für geflüchtete Menschen. Es widerspricht jeglicher Logik, Menschen in riesigen Lagern, namentlich in Moira auf der Insel Lesbos unter den skandalösesten Bedingungen zusammenzupferchen, um dadurch „Abschreckung“ für künftige Flucht zu erzielen. Vom Krieg, vom Hunger, von Klimakatastrophen, von politischer Verfolgung traumatisierte Menschen werden ihr Herkunftsland trotzdem verlassen. Und es widerspricht jedem Völkerrecht, Menschenrecht, Recht auf Asyl. Und es ist die Schande Europas, das hinzunehmen. Weiterlesen „Jean Ziegler: Die Schande Europas. Von Flüchtlingen und Menschenrechten“

Alexander Kluy: Alfred Adler – Die Vermessung der menschlichen Psyche

Alexander Kluy erzählt in dieser Biographie über Alfred Adlers Entwicklungsgeschichte und ihre historischen Zusammenhänge gleichzeitig auch eine Geschichte der Psychologie und im Besonderen der Psychoanalyse. Alfred Adlers Ansatz konzentriert sich – im Unterschied zu Sigmund Freuds Ätiologie der Neurose aus einem Triebdeterminismus – auf die sozialpsychologisch bedeutsamen Elemente von Sicherheit, Selbstwert- und Gemeinschaftsgefühl. Seine Individualpsychologie betrachtet den einzelnen in einem systemischen Zusammenhang. Von sozialmedizinischer Warte ausgehend betrieb er Sozialpolitik, indem er Anfang des 20. Jahrhunderts Erziehungsberatungsstellen in Wien gründete, deren Konzept sich bald in Europa an vielen Orten wiederfand. Das Menschenbild Alfred Adlers ist ein durch und durch philanthropisches und optimistisches. Weiterlesen „Alexander Kluy: Alfred Adler – Die Vermessung der menschlichen Psyche“

Jean Ziegler: Was ist so schlimm am Kapitalismus – Antworten auf die Fragen meiner Enkelin.

Der Schweizer Soziologieprofessor Jean Ziegler ist mir  2005 zum ersten mal begegnet in dem mehrfach ausgezeichneten Film „We feed the world“ des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer.  Die Kritik an der Industrialisierung der Nahrungsmittelproduktion richtete ihren Fokus auf die EU, auf die Ausbeutung der Natur und der Nutztiere, und vor allem auf die Ungleichgewichte, die weltweit durch unsere Übernutzung entstehen. Jean Ziegler war damals UN-Botschafter für das Recht auf Nahrung und UN-Sonderberichterstatter (2000 – 2008), und ich werde im Leben nie seine Beschreibung in diesem Film vergessen, wie eine Mutter in der armen ländlichen Region des reichen Brasiliens am Abend Steine in eine Pfanne mit kochendem Wasser legt und ihren vor Hunger weinenden Kindern sagt: „Wartet nur bis sie weich gekocht sind“ – in der Hoffnung, dass sie irgendwann einschlafen. Weiterlesen „Jean Ziegler: Was ist so schlimm am Kapitalismus – Antworten auf die Fragen meiner Enkelin.“

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