Jürgen Neffe: Darwin

„Das Abenteuer des Lebens.“ So lautet der Titel der 2010 im Goldmann Taschenbuch Verlag erschienenen Lebens- und Reisebeschreibung. Jürgen Neffe, Wissenschaftshistoriker, hat sich tatsächlich in den Fußstapfen Darwins auf eine Reise gemacht und beschreibt in seinem Bericht die Entdeckungen und Gedanken Darwins anhand dessen Aufzeichnungen.

Zwei Jahre lang ist er unterwegs und zeichnet die Spuren nach. Dabei begegnet er laufend gegenwärtigen Zeitphänomenen, die er in ein Verhältnis setzt zu dem, was Darwin damals beobachtet und beschrieben hat. Dem Leser wird bald klar, dass eigentlich nichts, von dem was wir heute als selbstverständlich nehmen, so gedacht werden könnte ohne Darwin. Es ist nicht nur eine Lehre von der Artenentwicklung, von der Auslese, von der Evolution, es ist ein Welterklärungskonstrukt, das unser Denken in alle Wissenschaftsbereiche hinein geprägt hat. Nicht nur unsere Naturwissenschaften und im besonderen die Medizin haben durch Darwins Entdeckungen eine entscheidende Richtung genommen, auch für viele andere Entwicklungen, z.B. in der Wirtschaft, in den Kapitalmärkten, wird Darwin ab und an bemüht, zumindest zur Erklärung, warum der ausufernde Kapitalismus mit der Grundmotivation des Menschen zu tun hat, mit seiner Gier nach Leben, seiner Gier nach mehr, und mit einem Vorteil des Stärkeren.

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Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

In dem im Piper Verlag 1967 erschienenen Buch Vita Activa oder Vom tätigen Leben behandelt Hannah Arendt mit vorausschauender Perspektive die Entwicklung des Menschen in einer Gesellschaft von Arbeitstieren. Die Tätigkeiten des animal laborans haben wenig mehr mit ursprünglichem Tätigsein im Sinne von Handeln zu tun, sondern gleichen sich immer mehr Prozessabläufen an wie der Verfeinerung von Apparaten und Sinn und Zweck sind reduziert auf Selbsterhaltung.

Wie hat sich Philosophie verändert?

Die Philosophie begann bei Platon und Aristoteles mit Staunen und ist heute von einem Pragmatismus durchsetzt, der den Menschen allein als von seinen Interessen motiviert betrachtet. Gleichzeitig ist der Mensch der festen Maßstäbe jenseits der Herstellungsprozesse verlustig gegangen. Weiterlesen „Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben“

Theodor W. Adorno – Kohlhaas auf der Suche

Negative Dialektik:
Die Frage nach dem Sinn im Angesicht des Dritten Reichs.
Gibt es noch einen Sinn der Philosophie angesichts ihres Scheiterns?

Bekannt wurde Theodor Wiesengrund Adorno vor allem über seine mit Max Horkheimer gemeinsam verfasste Schrift: Dialektik der Aufklärung. Es gilt bis heute als wichtige philosophische Abhandlung zur Kritik an einem Vernunftbegriff, der den Menschen instrumentalisier.
In den 60er Jahren genoss vor allem die Fakultät für Soziologie in Frankfurt deutschlandweit einen Ruf, der junge Studenten anzog, die über die Kritik an den herrschenden Verhältnissen für ein emanzipatorisches Infragestellen der gesellschaftlichen Priorisierungen stehen. Vor allem die bis dahin fehlende Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seinen Folgen war ein vorrangiges Thema.

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Rezension zu „Kohlhaas und der Sinn des Lebens“

Die erste öffentliche Rezension zu meinem Buch auf einem von mir sehr geschätzten Blog von Bernd Arnold:

„Philosophiegeschichte macht mich neugierig. Dagmar Eger-Offel überzeugt mit ihrer Geschichte der Philosophie in mehrerlei Hinsicht: eine Fülle an Primär-Literatur, die Leitfrage der Sinnsuche und die literarische Figur des Michael Kohlhaas auf der Suche nach dem Sinn.
(…) Und Michael Kohlhaas aus Heinrich von Kleists Novelle? Dagmar Eger-Offel lässt ihn von Autor zu Kapitel den unterschiedlichen Gedanken und Ideen begegnen, imaginiert Gespräche der Philosophen mit Kohlhaas und deutet seine Perspektiven – was sich spannend liest wie ein Krimi. Gerechtigkeits-Terrorismus ist fehl am Platz, Gerechtigkeit bleibt Idee und Ziel.

Hiermit sei das Buch empfohlen, und wer schnuppern will, findet im Blog der Autorin kapitelweise Videos zum Betrachten und Hören.“

Vielen Dank dafür!

Rezension in voller Länge auf transitnuremberg

Dagmar Eger-Offel, „Kohlhaas und der Sinn des Lebens. Wege der Philosophiegeschichte zur Suche nach dem Sinn“, Literatur im Fenster e. V., Isny im Allgäu 2017, ISBN: 978 – 3 – 00 – 057666 – 9

Reso Tscheischwili: Die himmelblauen Berge

Ein Stück absurde Literatur aus Georgien. Einige Jahre vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion ist diese Geschichte entstanden über einen Literaturverlag, besetzt mit Staatsbeamten, die selbst nicht so recht wissen, was eigentlich ihre Aufgabe ist. Sie sollen den Roman des Schriftstellers Sosso lesen und darüber entscheiden, ob er angenommen wird. Ein ganzes Jahr lang wird dieses Manuskript, in drei Exemplaren abgegeben, durch das Haus verteilt, überall werden zwischendurch ein paar Seiten gesehen, dann sind sie wieder spurlos verschwunden, bleiben in Schubladen liegen, werden im Taxi vergessen, landen mit anderen Papieren im schlammigen Hinterhof. Eine hektische Jagd nach den einzelnen verloren Seiten kaschiert die lähmende Unfähigkeit, sich überhaupt inhaltlich mit der Geschichte auseinanderszusetzen. Nach einem Jahr trifft sich der Mitarbeiterstab zu einer Versammlung. Diskutiert wird über den Titel: Tian Shan, Die himmelblauen Berge. Niemand hat es gelesen. Weiterlesen „Reso Tscheischwili: Die himmelblauen Berge“

Albert Camus

Der Mythos von Sisyphos, ein verzweifeltes Bild. Sollte man meinen. Sisyphos, der die Götter herausgefordert hat, wird dazu verurteilt, in der Unterwelt auf ewige Zeiten einen schweren Felsbrocken den Berg hinaufzurollen, nur um dann mitansehen zu müssen, wie er wieder hinabrollt.

„Sisyphos, der ohnmächtige und rebellische Prolet der Götter, kennt das ganze Ausmaß seiner unseligen Lage: über sie denkt er während des Abstiegs nach. Das Wissen, das seine eigentliche Qual bewirken sollte, vollendet gleichzeitig seinen Sieg. Es gibt kein Schicksal, das durch Verachtung nicht überwunden werden kann.“

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ (Albert Camus: Der Mythos von Sisyphos)

Nun, die eigentliche philosophische Herausforderung könnte in der Frage liegen: Hat das Absurde einen Sinn? Es ist und bleibt in der Welt, ob der Mensch aufgibt oder nicht. Soll er sich damit abfinden oder dagegen revoltieren?

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Jean Paul Sartre

Wie lebt man ohne Sinn?

Das, was die früheren Philosophen als „Sinn des Lebens“ bezeichneten, gründete sich, wie oben dargestellt von Platon bis Kant auf unterschiedliche vorgegebene Prämissen, anhand derer Ideale entwickelt wurden, die als Regulative einen abstrakten Sinn formulierten. Seit der Phänomenologie nach Husserl, auf der Heidegger aufbaut, ist die Philosophie in der Krise, in der Existenzkrise, und versucht nun, sich mehr auf die wahrnehmbaren Phänomene zu konzentrieren.

Bei Nietzsche hatten wir schon von der heraufziehenden Dekadenz in der Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verhältnisse gesprochen, die sich nun bei den Existenzialisten auswuchs zu einer Sinnentleerung, die mit Langeweile, Hoffnungslosigkeit und Angst einherging. Man hat den Eindruck, um dem ganzen Überdruss Herr zu werden, musste die Absurdität als neuer Platzhalter die Leere des Nichts auffüllen. Die Absurdität als Entgegensetzung zum Insuffizienzgefühl der Generationen zwischen und nach den Weltkriegen.

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Arthur Schnitzler: Fräulein Else

Manch’ intelligenente LiteraturkritikerIn würde Arthur Schnitzler als zu einem obsoleten Literaturkanon angehörigen Repräsentanten bezeichnen und aus der als lesenswert zu würdigenden Literatur ausschließen. Es braucht schon ein gewisses literaturhistorisches Interesse, sich mit diesen bildungsbürgerlich orientierten Inhalten auseinanderzusetzen. Bei der Lektüre wird er dann aber doch zu einem zeitlosen Roman, der nicht umsonst seinen Platz im Kanon verteidigt.

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Martin Heidegger

Sein und Zeit

Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr Nichts?

Die ganze bisherige Auffassung der Welt ist nach Heidegger eine von der Philosophiegeschichte einseitig geprägte. Seine tiefgläubigen Eltern wünschten seine Ausbildung am bischöflichen Seminar, wo er Theologie und Philosophie studierte. Im Ringen um den Glauben, im Zweifeln, entdeckt er auch für die Philosophiegeschichte, sie sei eine Verdeckung der wesentlichen Fragen.

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