Anna Seghers: Das siebte Kreuz

„Dieses Buch ist den toten und lebenden Antifaschisten Deutschlands gewidmet.“

Anna Seghers’ umfangreicher Roman über die Verhältnisse im Hitler- Deutschland der späten dreißiger Jahre zählt zu den epischen Werken, die nie an politischer Aktualität verlieren. Ihre Widmung auf dem Vorsatzblatt ist gerade jetzt brandaktuell und zeigt, von welcher Brisanz die Thematik ist und von welcher Bedeutung, sich mit der Geschichte und der Literatur dieser Zeit auseinanderzusetzen.

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Camus: „Der Fremde“ und Daoud: „Der Fall Meursault“

Vielleicht noch ein bisschen früh, aber trotzdem: Mein Leseerlebnis des Jahres! Mit Kamel Daouds Der Fall Meursault auf dem Schreibtisch kommt eins zum anderen, es entfaltet sich ein ganzer Fächer an literarischem und philosophischem Gedankengut, und gerade diese Verbindung verspricht größten Lesegenuss. Bevor aber Daoud auf den Leseplan tritt, sei empfohlen, sich vorher mit Camus zu befassen, wobei ich die naheliegendste Empfehlung Der Fremde zu lesen, dringend erweitern möchte. Der Fremde ist natürlich vom Inhalt her die Geschichte des anonymisierten Arabers, auf die sich Kamel Daoud bezieht, wenn er 70 Jahre später mit seiner Erzählung Der Fall Meursault diesem Araber endlich ein Gesicht und eine Geschichte geben möchte. Genauso wichtig und erhellend ist aber auch Camus’ Der Fall, denn Daouds Geschichte dupliziert die Form dieser späteren Erzählung. In Der Fall sitzt ein ehemaliger Anwalt, der über sein Leben Rechenschaft abgibt, monologisierend einem geduldigen Zuhörer gegenüber. Nur durch seine eigenen Augen erfahren wir seine Geschichte und sollen uns ein Urteil über ihn bilden. Genauso verfährt Daoud. Aber nicht nur die Form zeichnet sich bei Daoud ab, auch die selbstreflexive Art, die sich aus dem Monolog ergibt, ist eine wichtige Parallele.

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Kamel Daoud: Der Fall Meursault – eine Gegendarstellung

Eine Frage drängt sich auf: Warum ist da nicht schon längst jemand darauf gekommen und mit welchem Buch könnte man das noch machen? Einer Figur, die als Statist mit Schlüsselfunktion keine eigene Identität bekommen hat, ein Gesicht geben, eine Geschichte auf den Leib schreiben.

„Der Araber“ in Camus’ „Der Fremde“ bekommt in Daouds Erzählung endlich sein Gesicht, bekommt seine eigene Geschichte. Dabei spiegelt Daoud in vielen Passagen die Gedankengänge Camus’, er nimmt sie auf, zerlegt und erklärt sie – im Unterschied zu Camus – entstellt sie aber auch. Und natürlich werden aus der besonderen Perspektive des kolonialisierten, des besetzten Arabers ganz andere Fragen existentiell.

„Es ist ganz einfach: Diese Geschichte müsste neu geschrieben werden, in der gleichen Sprache, aber diesmal, wie das Arabische, von rechts nach links.“

9783462047981

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