Camus: „Der Fremde“ und Daoud: „Der Fall Meursault“

Vielleicht noch ein bisschen früh, aber trotzdem: Mein Leseerlebnis des Jahres! Mit Kamel Daouds Der Fall Meursault auf dem Schreibtisch kommt eins zum anderen, es entfaltet sich ein ganzer Fächer an literarischem und philosophischem Gedankengut, und gerade diese Verbindung verspricht größten Lesegenuss. Bevor aber Daoud auf den Leseplan tritt, sei empfohlen, sich vorher mit Camus zu befassen, wobei ich die naheliegendste Empfehlung Der Fremde zu lesen, dringend erweitern möchte. Der Fremde ist natürlich vom Inhalt her die Geschichte des anonymisierten Arabers, auf die sich Kamel Daoud bezieht, wenn er 70 Jahre später mit seiner Erzählung Der Fall Meursault diesem Araber endlich ein Gesicht und eine Geschichte geben möchte. Genauso wichtig und erhellend ist aber auch Camus’ Der Fall, denn Daouds Geschichte dupliziert die Form dieser späteren Erzählung. In Der Fall sitzt ein ehemaliger Anwalt, der über sein Leben Rechenschaft abgibt, monologisierend einem geduldigen Zuhörer gegenüber. Nur durch seine eigenen Augen erfahren wir seine Geschichte und sollen uns ein Urteil über ihn bilden. Genauso verfährt Daoud. Aber nicht nur die Form zeichnet sich bei Daoud ab, auch die selbstreflexive Art, die sich aus dem Monolog ergibt, ist eine wichtige Parallele.

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