Beatrice Salvioni: Malnata

Ja, der Roman bedient viele Klischees, aber: die Figuren sind so voller Leben, der Zauber der Situationen und die Sprache verführen zum Lesen am Stück. Als Debüt-Roman ein großer Erfolg für Salvioni mit Übersetzungen in 35 Sprachen. Passend zur Frankfurter Buchmesse mit Italien als Gastland ist dieser Roman sicher ein Highlight aus dem Schatz der jungen Autor*innen.
Die Geschichte ist im Italien von1935 angesiedelt, der Faschismus, ein Kolonialkrieg und verschiedene Formen von Diskriminierung bilden den Rahmen für eine einzigartige Freundschaftsgeschichte. Francesca, Mädchen aus gutbürgerlichem Haus, fühlt sich magisch angezogen von der Malnata, der Unheilbringerin, einem Mädchen, dem der Trotz aus dem Gesicht spricht und der Dreck zwischen den Zehen durchquillt, ein Mädchen, das sich auflehnt gegen gesellschaftliche Konventionen. Alles, was thematisiert wird könnte in jedem gesellschaftskritischen Roman ein Thema sein: die Macht des Geldes, das falsche Ansehen, die Korruption, die Frauenverachtung, der Missbrauch. Was mich trotzdem an die Geschichte gefesselt hat, ist Salvionis Begabung, die Faszination des Düsteren zu beschreiben. Das Nicht-Selbstverständliche im Bekannten herauszuziselieren als besondere Beziehungsereignisse, die so nur zwischen diesen beiden Personen stattfinden können.

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