Yuval Noah Harari: Homo Deus – Eine Geschichte von morgen

Die neue menschliche Agenda – was sind die Aufgaben der Zukunft? Was passiert, wenn die nächsten Ziele der Menschheit Unsterblichkeit, Glück und Göttlichkeit sein werden, weil wir mit intelligenter Technologie alle „technischen“ Probleme lösen können? Auf sehr intelligente und gut lesbare Art und Weise führt uns der israelische Historiker Harari zuerst ein in seine Herleitung der Grundmotivationen allen Strebens und Entwickelns. Das Streben nach Glück ist eine davon und während mit zunehmendem Glück gleichzeitig die Toleranz gegenüber unangenehmen Empfindungen stetig abnimmt – und in Folge dessen das Glück gar nicht zunehmen kann – gehen wir soweit, uns über die Biotechnologie (Bioengineering) noch mehr Glück zu versprechen, indem wir Leid und Schmerz so weit verbannen, dass wir in unserem Optimierungswahn den Gencode umentwickeln, den Menschen mit nicht-organischen Apparaten verschmelzen, ihn mit Nanorobotern ausstatten, der die Schäden am menschlichen Cyborg sofort repariert und haben keine Ahnung, was diese zukünftigen Menschen, die keine Menschen in unserem Sinne mehr sein werden, mit der intelligenten Technologie weiterhin anstellen.

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George Orwell: 1984

Ein Klassiker erlebt eine Renaissance. Anfang des Jahres wurde diese Dystopie mit „Doppeldenk“ und „Neusprech“ vor allem in den USA wieder verstärkt rezipiert, was mit den Strategien Donald Trumps in Verbindung gebracht wurde. „Alternative Fakten“ kommen dem „Doppeldenk“ nach Orwell ziemlich nahe. Aber die eigentlichen Fragen, die hier bereits 1949 thematisiert wurden, gehen viel tiefer. Damals ging es um die Verhältnismäßigkeit zwischen Einzelnem und einem politischen System, das als Legitimation autoritär- diktatorischen Regierens das Wohl der Bürger auf seine Fahnen schreibt. Eine Frage, die Orwell in diesem Roman aufwirft: Was wird aus dem Menschen, wenn er für die Armeen nicht mehr benötigt wird? Für die Stabilisierung von Hierarchien braucht die Elite den Massenmenschen nicht mehr. Noch weiter, noch tiefer gehend zeigt Orwells Roman, dass wir uns durchaus unserer Selbst nicht sicher sein können. Am Ende steht als Frage im Raum: Wie viel bleibt übrig von dem, was wir „Selbst“ oder „Ich“ nennen, oder von einem „Willen“? Interessant an der Lektüre solcher Romane mit Modellcharakter sind natürlich immer auch die möglichen Übertragungen auf die Gegenwart, auf eine Zukunft: Welche Rolle spielt das Individuum in Zukunft, im Zuge der Entwicklungen in einer technisierten, von Daten gesteuerten Welt und wird nicht der gewöhnliche Mensch überflüssig?

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Niah Finnik: Fuchstteufelsstill

Schon beim Aufschreiben von Name und Titel kennzeichnet das Programm jedes Wort rot, was so viel heißt wie: „Fehler“ oder „nicht im gespeicherten Wortschatz vorhanden“. Und so liest sich das ganze Buch: die außergewöhnliche Perspektive einer Autistin, die nach einem Suizidversuch in einer Klinik Freundschaften schließt und die ständige Kollision ihrer Wahrnehmung mit der „gewöhnlichen“ Interpretation von Welt, öffnet Fenster und Türen in bisher ungekannte Gedankenkonstrukte. Wenn man hier damit anfangen möchte, außergewöhnliche Stellen zu markieren, kommt man nicht zum Lesen. Das Buch ist voller Gedankenverknüpfungen, die „nicht im gespeicherten Wortschatz vorhanden“ sind. Und trotzdem werden sie auf eine Art und Weise transportiert, dass der Leser, die Leserin sehr schnell und leicht ein Verständnis für die Figuren empfindet und in ihrer Infragestellung der „gewöhnlichen“ Welt mit ihnen sympathisiert.

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