Hannah Arendt: Sokrates. Apologie der Pluralität

Dieser sehr lesenswerte Vortrag von Hannah Arendt zur politischen Philosophie ist wunderbar eingeführt von Matthias Bormuth, er hebt ab auf die Bedeutung des Selbstgesprächs, des Dialogs mit mir selbst für das abstrakte Denken und im besonderen als einer dem Denken inhärenten Pluralität, der Vielfalt der Perspektiven, die notwendig sind, um die Welt zu erschließen. Er führt ein in Arendts Argumentation, warum aus dem historischen Geschehen heraus Platon seinen Schwerpunkt darauf legt, die absolute Wahrheit zu finden und zu rechtfertigen und daraus eine Begründung für ein Primat der Philosophie in der Politik herleitet. Weil aber die letztlich großen Fragen der Philosophie: Was ist das Sein? Wer ist der Mensch? Welchen Sinn hat das Leben?, unbeantwortet bleiben, gehört zur Philosophie unabdingbar das Staunen.

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Hannah Arendt: Vita Activa oder Vom tätigen Leben

Mit vorausschauender Perspektive behandelt Hannah Arendt hier die Entwicklung des Menschen in einer Gesellschaft von Arbeitstieren in diesem bereits 1967 im Piper Verlag erscheinenen Buch.  Die Tätigkeiten des animal laborans haben wenig mehr mit ursprünglichem Tätigsein im Sinne von Handeln zu tun, sondern gleichen sich immer mehr Prozessabläufen an wie der Verfeinerung von Apparaten und Sinn und Zweck sind reduziert auf Selbsterhaltung.

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Boualem Sansal: 2084 – Das Ende der Welt

„Die Religion erweckt möglicherweise die Liebe zu Gott,
doch nichts führt stärker dazu als sie,
den Menschen zu verachten und die Menschheit zu hassen.“

Boualem Sansal, Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2010 hat damals mit seiner Geschichte „Das Dorf des Deutschen“ einen Nerv der Zeit getroffen. Zwei Brüder mit francoalgerischer Herkunft in den Pariser Banlieues entwickeln sich vollkommen unterschiedlich, einer von beiden radikalisiert sich während der andere entsetzt die Mechanismen von Ideologisierung und Entmenschlichung zu analysieren versucht.

Boualem Sansal schrieb zu dieser Zeit, er träume von einem Algerien, in dem man in Freiheit leben könne. Nun ist sein aktueller Roman „2084 – Das Ende der Welt“ eine in die Zukunft verlegte Überzeichnung der schlimmsten Ängste, die man in Verbindung mit Ideologie und Entmenschlichung fantasieren kann. Ein Land, genannt Abistan, ist so vollkommen von der Außenwelt abgeschottet, dass seine Bewohner glauben, es gäbe nur ihr Land und jenseits seiner Grenzen würde die Welt aufhören. Es wird beherrscht von religiösen Ideologen. Kritiker haben schon darauf hingewiesen, dass Abi, der Entsandte, den niemand zu Gesicht bekommt, möglicherweise als Charakter Anleihen nimmt beim immer unsichtbaren Militärführer Algeriens Abd al-Aziz Bouteflika.

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